Die Initiative verbindet technologische Fragestellungen mit gesellschaftlicher Relevanz: Im Fokus steht, wie humanoide Systeme ausserhalb kontrollierter Umgebungen wahrgenommen werden und welchen konkreten Nutzen sie im Alltag entfalten können. „Wir holen Innovation gezielt aus dem Labor heraus und bringen sie dorthin, wo sie auf reale Erwartungen, Reaktionen und Bedürfnisse trifft“, sagt Frank M. Rinderknecht.
Wissenschaftlich getragen wird das Projekt von Professorin Theresa Schmiedel, Leiterin des Instituts für Wirtschaftsinformatik (IWI) an der ZHAW School of Management and Law. Von ihrem Team wird GIGI im SIRA Lab, das sich mit sozialer Intelligenz und verantwortungsvoller Interaktion beschäftigt, gezielt weiterentwickelt. Der humanoide Roboter ist bereits in der Lage, auf Menschen zu reagieren und grundlegende soziale Signale zu verarbeiten. Die Reise schafft nun den Rahmen, diese Fähigkeiten in unterschiedlichsten Kontexten zu erleben, zu prüfen und gezielt auszubauen.
Im Sommer 2026 führt die Tour de Suisse Robotique GIGI an ausgewählte Stationen im ganzen Land, darunter führende Hochschulen sowie Partner aus Industrie und Gesellschaft. Jede Etappe eröffnet neue Perspektiven – von technologischen Entwicklungen über konkrete Anwendungsszenarien bis hin zu gesellschaftlichen Fragestellungen.
Im Mittelpunkt stehen authentische, humorvolle Begegnungen: Gespräche, Demonstrationen und kompakte Austauschformate bringen GIGI in direkten Kontakt mit unterschiedlichen Menschen und Umgebungen. «So entsteht ein kontinuierlicher Lernprozess auf dem Weg zum persönlichen Assistenten, der nicht nur als «Ersatzrad» aushilft, sondern uns proaktiv als Begleiter entlastet und so zwischenmenschliche Verbindungen stärken kann», erklärt Schmiedel.
Die gewonnenen Erkenntnisse fliessen direkt in die Forschung des IWI der ZHAW ein. Im SIRA Lab verantwortet Professor Alexandre de Spindler die Entwicklung von GIGI: „Für uns ist entscheidend, dass GIGI nicht nur technisch funktioniert, sondern in realen Situationen sinnvoll und nachvollziehbar handelt.“ Die Interaktionen der Tour werden daher für die Weiterentwicklung von GIGI verarbeitet, damit der Roboter sein Verhalten noch besser an unterschiedliche Situationen und Erwartungen anpassen kann.
Mit der „Tour de Suisse Robotique“ entsteht damit weniger eine technologische Demonstration als vielmehr ein bewegliches Labor: eine Reise, auf der nicht nur ein Roboter lernt, sondern auch eine Gesellschaft im Umgang mit einer neuen Generation von Technologien.
Fotos: Kurt Reichenbach / Schweizer Illustrierte